Orgel St. Thilo - Heiningen
|
Disposition
Mechanische Spiel- und Registertraktur
Der Orgelbauer zu seinem WerkDie Wiedenmann-Orgel in der Pfarrkirche St. Thilo in HeiningenDurch das dreiteilige farbige Fenster in der Mitte der Empore ergab sich die zweigeteilte Anlage. Da die Orgel eine Einheit aus Klang, Architektur und Technik ist, bedeutet dies für den Erbauer immer neue Aufgaben und künstlerische Herausforderungen, da es sich auf jeden Raum neu einzustellen gilt. So wurde für die Heininger Orgel die aufwendigste, aber auch die beste Lösung gewählt. Die Gehäuse aus gebeiztem Fichtenholz konnten hier so groß gemacht werden, dass sie den Pfeifen eine optimale Klangunterstützung bieten und der Klang sich gleichmäßig im Raum verteilen kann. Für unsere Orgeln werden nahezu ausschließlich heimische Hölzer verwendet. Jedes Detail wird speziell geplant, berechnet und angefertigt, vom Mechanikteil über die Windladen und Pfeifen bin hin zum Gehäuse. Die einzelnen Teile werden fast alle in unserer Werkstatt, größtenteils in althergebrachter grundsolider Handwerkstechnik, wobei auch moderne Fertigungsmethoden Anwendung finden, angefertigt. Der technische und zeitliche Aufwand, der bei einer guten mechanischen Pfeifenorgel erforderlich ist, lässt sich schon daran ablesen, dass für die neue Orgel ca. 3500 Arbeits- und Planungsstunden erforderlich waren. Die Windladen, das eigentliche Herzstück der Orgel, wurden aus Eichenholz gefertigt, die Holzpfeifen aus Bergfichte und Eiche. Sämtliche Hölzer wurden, bevor sie zur Verarbeitung kommen, jahrelang an der Luft getrocknet, nur so kann gewährleistet werden, dass keine Spannungen im Holz mehr vorhanden sind und ein nachträgliches Reißen bewirken könnten. Von den insgesamt 924 Pfeifen sind 806 Labialpfeifen aus einer Zinn-Blei-Legierung von 20 bis 75% Zinn, 62 Holzpfeifen und 56 Zungenpfeifen. Die größte Pfeife missst ca 2,8 m (Körperlänge ca 2,4 m) und die kleinste, das g''' der Terz 1 3/5', hat eine Körperlänge von ca. 12 mm. Die unterschiedlichen Bauformen der Pfeifen, wie zylindrisch, konisch, teilgedeckt, gedeckt, rechteckig, sowie die Verwendung verschiedener Materialien bilden die Grundlage für die Vielfalt der unterschiedlichsten Klangcharaktere in den einzelnen Registern. Es ist dann die Kunst des Intonateurs, jeder einzelnen Pfeife ihren spezifischen Klangcharakter zu geben und das Instrument einheitlich und geschlossen erklingen zu lassen.
Das neue Orgelwerk arbeitet nach dem Prinzip der rein mechanischen Schleiflade. So werden vom eingebauten Spieltisch im Orgelfuß sämtliche Befehle, die der Organist über die Tasten an die Windlagen gibt, mittels Gestänge, Wellen und Winkel weitergeleitet. Die Zuverlässigkeit und Präzision der mechanischen Traktur sind nach wie vor unübertroffen. Der erhebliche Aufwand, der für eine präzise Mechanik betrieben wird, rechtfertigt sich durch die musikalischen Möglichkeiten, die dem Organisten dadurch zur Verfügung gestellt werden. Die geringen Instandhaltungskosten und die praktisch nahezu unbegrenzte Lebensdauer zeigen uns die überkommenen Orgeln des Barockzeitalters. Das Instrument ist ausnahmslos aus hochwertigsten Materialien in sorgfältiger handwerklicher Ausführung hergestellt. Die ist Voraussetzung dafür, das diese Orgel lange Zeit zur Freude der Menschen und zum Lobe Gottes erklingen kann. Eduard Wiedenmann
WestfensterDie über die drei Westfenster sich erstreckende Kreisform korrespondiert gleichsam der Apsis und dem Altarraum. Schon diese Entsprechung begründet die großflächige Gestaltung dieser Fenster.
Die musizierende, singende Person in der Kreismitte meint, so der Gedanke des Künstlers, nicht eine bestimmte Person, so sehr man David oder Franz von Assisi damit in Verbindung bringen könnte, die ja bekanntlich in ihrem Gesang Gott, dem Schöpfer, die Ehre gegeben haben. Vielmehr ist hier ganz allgemein der schöpferische, der kreative Mensch herausgehoben: nicht der, der verwaltet, alles zu erforschen und in den Griff zu bekommen sucht, sondern der Mensch, der sich als Teil der Schöpfung weiß mitten unter den Tieren, den Lebewesen und als "Krone der Schöpfung" ihr Anwalt, der mit der Harfe den Lobgesang auf den Schlöpfer anstimmt. Den Künstler leiten dabei die Worte des Apostels Paulus: "Die ganze Schöpfung wartet sehnsüchtig auf das Offenbarwerden der Kinder Gottes" (Röm. 8,19), die der Erlösung und Vollendung in der Herrlichkeit des neuen Lebens entgegenstreben. Diese Ausrichtung auf die Endzeit unterstreichen die vier Engel in den Ecken um den Kreis; diese halten die bedrohlichen Winde fern (Offb. 7,1).
|








